Wie viel Digitalkompetenz brauchen wir?

Gerade in den vergangenen Wochen wurde viel über die Notwendigkeit von Kompetenzen für die Digitalisierung gesprochen, insbesondere im Gesundheitswesen. Doch was hat es damit auf sich? Und was ist digitale Kompetenz eigentlich?

Was ist Digitale Kompetenz?

Der Grundbegriff stammt aus dem Bereich der Informationskompetenz und wurde bereits in den 1970er geprägt.

Wikipedia meint dazu (Link):
Unter Informationskompetenz (englisch information literacy) versteht man die Fähigkeit mit beliebigen Informationen selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen. Für den Einzelnen gelten daher der ethische und verantwortungsbewusste sowie der ökonomische, effiziente und effektive Umgang mit Information(en) als grundlegende Prinzipien.

Mit anderen Worten, man sollte wissen was man tut, bevor man Entscheidungen trifft oder mit der Arbeit / dem Projekt beginnt. Genau an dieser Stelle wird es jedoch mit der Definition schwieriger, denn das Prinzip und die Basis ist noch dieselbe, jedoch denkt man heutzutage abstrakter in Services und Prozessketten anstatt in einzelnen Aufgaben.

Das wie früher Stift und Papier der Computer heutzutage zur Grundausstattung und Stellenbeschreibung ohne Erwähnung gehört, ist selbstverständlich. Jedoch kann der Grad des Wissens, den man benötigt erheblich schwanken. Früher reichte es aus, dass man als kompetent galt, wenn man wusste, wie das Smartphone zu bedienen ist und wie man den Internetzugang zu Hause einrichtet. Diese Vorstellung von "Digitaler Kompetenz" hallt leider heute immer noch nach und führt zu neuen Problemen. Fakt ist jedoch, dass sich der Grad des erforderlichen Wissens verschoben hat und es schwer zu sagen ist, wo dieser für die aktuelle Aufgabenstellung liegt. Beim Handwerker wird in diesem Zusammenhang etwas anderes benötigt als bei einem Vorstand und bei einem Arzt wieder eine andere als beim Controlling.

Kurz zusammengefasst ist die digitale Kompetenz das Wissen im Umgang mit digitalen Technologien zur Bewältigung der eigenen Aufgaben.

Warum reden alle so viel über digitale Kompetenz?

Es ist derzeit in etwa das gleiche wie mit der DSGVO, vermeintliche Experten wittern das große Geschäft und verbreiten Panik. Panik den Anschluss zu verlieren und im Wettbewerb mit Konkurrenten zu versagen. Da liegt es nahe das man Experten loswandet um die Gemüter zu beruhigen und durch Abhängigkeiten zu diesem Wissen kontrolliert transferiert. Dies mag böse klingen ist jedoch wahr, denn nüchtern betrachtet gehört diese Kompetenz zum Arbeitsalltag dazu und wer sein Handwerkzeug nicht beherrscht hat Angst um seinen Job. Diese Panik und Verlegenheit werden ausgenutzt und zu oft von schwarzen scharfen die wirklich überzeugt sind das Richtige zu tun kompromittiert.

Die Politik springt auf diesen Zug auf, nicht nur weil dort die Kompetenz nach wie vor fehlt, sondern weil etwas versprochen wurde das man nicht gehalten hat. Die Bürger haben sich darauf verlassen und sind dem Motto gefolgt: Das wird schon irgendwie. Die Konsequenzen dieser Taten und Einstellungen sehen wir heute und ist eines der Gründe für den großen Aufruhr in den Medien.

Was sind die Ursachen für die starke Nachfrage nach "Digitaler Kompetenz"?

Mit etwas Abstand betrachtet ist dies im Wesentlichen ein alter Hut und die Notwendigkeit auf einfache Ursachen zurückzuführen. In den letzten Jahren gab es stetig neue Innovationen im digitalen Bereich. Dort hinterher zu kommen ist für Laien schwierig, da diese vielleicht den aktuellen Service nutzen, jedoch nicht seine Entstehungsgründe, die zugrundeliegenden Technologien oder dessen Auswirkungen in der Zukunft kennen bzw. absehen können.

Einige Branchen haben dies früh erkannt und entsprechend gehandelt, wie zum Beispiel in der Logistik, welche derzeit mit der technischen Entwicklung gleichzieht und ab und zu sogar den Ton angibt. Im Gesundheitswesen jedoch hängen wir bereits mit der Entwicklung derartiger Technologien weit zurück. Die Gründe dafür sind einfach, denn wo ein gewisser Monopolmarkt herrscht, der von Wenigen kontrolliert wird, entwickeln sich Innovationen langsam bis gar nicht. Institutionen, welche dann selbst gesetzliche Grundlagen und Richtlinien vorgeben, ausführen, ahnden, Bedürfnisse erheben und verpflichtende Technologien selbst entwickeln sind da kein gutes Beispiel und schaden dem gesamten Entwicklungsprozess mehr als dass sie nützen. Dies hat die Entwicklung der Telematik Infrastruktur oder des SafeNet bereits mit allen negativen Konsequenzen gezeigt. Dennoch hält man entgegen aller Widerstände und Probleme daran fest.

Wenn man sich die digitale Entwicklung des Gesundheitswesens in anderen Ländern anschaut, wird einem fast übel, wenn man sieht, was im Gegensatz dazu hierzulande getan wird. Der Grund für die hohe Nachfrage nach "Digitaler Kompetenz" ist also geboren aus dem Fehlen des eigenen Wissens und aus denr Vorgaben, die gemacht bzw. den Lösungen, die aktuell bereitgestellt werden.

Was können wir von Anderen lernen?

Bei der digitalen Kompetenz geht es vor allem um Wissen, also (Aus-) Bildung. Dafür gibt es nur eine Lösung: Wir müssen diese Kompetenz erwerben, daher ist dies ein klarer Bildungsauftrag, nicht mehr und nicht weniger.  Wenn es dann für den Einzelnen doch zu komplex wird, insbesondere wenn es um Modellierung oder Architektur geht, gibt es dafür sogar seit sehr langer Zeit eine leider unterschätzte und missverstandene Berufsausbildung namens „Informatikkaufmann/Frau“, die die Lücke zwischen den beiden Parteien (Nutzer und Hersteller) schließt und als Schnittstelle fungiert. Es braucht also keine Neuerfindung, wir haben es bereits.

Kleine Seitenbemerkung: Es gibt also sogar eine nachweisbare Qualifikation, wenn also ein interner/externe Berater/Coach eingestellt wird, prüfen Sie diese, denn mit vermeintlichen Experten kommt man auch nur "vermeintlich weit". Das Thema ist zu komplex und die längerfristigen Auswirkungen potentiell zu gewichtig als dass man sich mit Blendern abspeisen lassen sollte.

Was können wir also konkret tun?

Lernen! Man muss sein eigenes Handwerk verstehen und beherrschen. Einige Berufsgruppen haben dies lange verschlafen oder haben irreale Vorstellungen, jedoch ist es auch hier an der Zeit, diese Einstellung mit Demut abzulegen statt den Herausforderungen mit Arroganz zu begegnen, denn es geht darum, dass man die digitale Welt versteht, nicht darum, dass die digitale Welt das jeweilige Berufsbild oder die Tätigkeit versteht.

Wir brauchen also keine Software, die uns nach irrwitzigen und nicht messbaren bzw. vergleichbaren Kriterien die Arbeit wieder abnimmt und zur Verdummung beiträgt. Oder gesetzliche Vorgaben, die Hersteller in die Schranken weisen und sich damit der Grad der Innovation verringert. Wir haben bereits alles, es muss nur genutzt werden.

Es ist nicht einfach sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht und die eigene Kompetenz eventuell nicht ausreicht. Aber wenn man dies nach kritischer Selbstbetrachtung tut und sich nicht hinter populistischen Argumenten versteckt, ist dies der schnellste Weg zur Lösung.

Hier noch ein paar konkrete Vorschläge:

  • Rede offen über das Thema und frage, wenn etwas nicht verstanden wird. Insbesondere Experten tun dies, weil diese oft auch am Ende mit ihrem Latein sind. Scherzhaft gesagt, wenn es z.B. Stackoverflow nicht gäbe, hatten wir keine qualifizierten Entwickler mehr.
  • Lies nach! Das Netz kann zwar erschreckend unübersichtlich sein, es bietet aber alles was man braucht in Videos, Blogs, Büchern oder Podcasts. Für jeden Lerntypen ist also etwas dabei.
  • Auch gibt es diverse Fort-/Weiterbildungen zu unterschiedlichen Themen, wenn man also etwas vertiefen möchte oder einen Nachweis braucht, ist dies trotz der mitunter hohen Kosten auf Dauer ein guter Ansatz.
  • Externe Berater/Coaches helfen auch individuell weiter, entweder persönlich oder in einem konkreten Projekt.
  • Suche dir ein Team zum Lernen! Wenn man mit mehreren am gleichen Ziel arbeitet, kann man wunderbar mit anderen teilen und sich gegenseitig fördern.
  • Veranstaltungen gibt es wie Sand am Meer, diese erweitern den Horizont und geben die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Außerdem können diese immer mit einem Thema des eigenen Berufs verknüpft werden und so Deinem Unternehmen helfen. Schaue doch mal bei Xing oder der Handelskammer nach, dort finden sich viele auch meist kostenlose Veranstaltungen zu allen Themen der Digitalisierung.
  • Und das Wichtigste ist die Vernetzung mit anderen Unternehmen. Insbesondere StartUps haben oftmals eine hohe digitale Kompetenz und fachliches Wissen, suchen aber hingegen stetig nach Sparringspartnern für die Entwicklung ihrer eigenen Lösungen und nach Menschen mit weniger digitaler Kompetenz, um die eigenen Lösungen in der Anwendung zu testen. Diese können einen nicht nur persönlich weiterhelfen, sondern auch innovativen Input für das eigene Unternehmen geben.

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen zu dem Thema habt, lasst es uns gerne wissen (Kontakt).


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